Di

24

Mär

2020

Einfach und komplizierte Sprache

Nein, ich war nie ein großer Fan von Thomas Mann. In meinem Germanistik-Studium las ich notgedrungen das eine oder andere Buch von ihm und quälte mich von Bandwurm-Satz zu Bandwurm-Satz.

Ich will nicht seine Qualität als Literat in Frage stellen – mir war sein Bruder Heinrich mit seinen kurzen, klaren Sätze und seiner Zugewandtheit zum Leben und den Menschen schlicht näher. Später im PR-Volontariat und in den Texter-Seminaren der Bayerischen Presseakademie lautete die Devise: kurz, klar, knackig. Vorbild: die Headlines in der B***-„Zeitung“.

 

Wo ging der Satz nochmal los?

 

Klar: Verschachtelte Sätze haben in Werbetexten und PR-Artikeln nichts zu suchen. Andernorts sehne ich mich aber heute manchmal nach kunstvollen Satz-Konstrukten, die Einblick in einen verschwurbelten Geist geben. Die Nuancen, Zweifel, Widersprüche, Himmel und Hölle und alles, was sich dazwischen verfängt, abbilden. Nicht jeder Satz muss klar sein, einen Sinn haben. Wie auch nicht jeder Gedanke klar ist und das Leben kausal. In der Unklarheit kann eine große Schönheit liegen.

 

Schleier drüber!

 

Nach wie vor wütend macht mich aber eine Sprache, deren Kompliziertheit von Inhaltslosigkeit ablenkt und/oder verschleiern soll. Sie wird besonders häufig in der Politik verwendet und in Ämtern. Sie hält die Menschen auf Abstand, gibt ihnen das Gefühl, doof zu sein. Dabei ist im Grunde das Gegenteil der Fall. George Bernhard Shaw sagte „Hohe Bildung kann man dadurch beweisen, dass man die kompliziertesten Dinge auf einfache Art zu erläutern versteht“ und ich finde, er hat vollkommen recht. Wenn man also zum Beispiel nach einer Politiker-Rede nur Bahnhof versteht, soll man entweder getäuscht werden, der Typ hat selber keine Ahnung und versucht es hinter Worthülen zu verbergen – oder er ist schlicht ungebildet.

 

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Fr

26

Dez

2014

Dezember

"Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.


Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man's versteht.
Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
"Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht."

 

Erich Kästner

 

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Mi

13

Aug

2014

O Captain my Captain

Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohl überlegt leben. Intensiv leben wollte ich, das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten, was nicht lebend war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, dass ich gar nicht gelebt hatte.

 

- Henry David Thoreau

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Do

13

Dez

2012

Oh Nein-Momente

Die "Oh Nein, jetzt habe ich mich schon wieder versprochen"-Momente eines Präsentationsvideos. Mal nicht steril, makellos, langweilig. Sondern authentisch, sympathisch, witzig, lebendig. Eine tolle Idee einer tollen Kundin.

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Mo

10

Dez

2012

Online-Erfolg made in Austria

Seit 1. Oktober 2012 hat die renommierte Web-Agentur ibloom - Partnerunternehmen von Text.Sells! - einen Firmensitz in Österreich.

Das ibloom Austria-Team um Edith Mayerhofer bietet von der Domainregistrierung über Hosting, Webdesign und Programmierung bis hin zu Webmarketing einen kompletten Service für den Online Auftritt seiner Kunden.

 

Wir wünschen unserem Partner viel Erfolg und freuen uns auf spannende gemeinsame Projekte!

 

Mehr Infos.

 

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Sa

20

Okt

2012

Das Buch ist fertig!

Heute ist so ein Tag, da darf ich mich ein bisschen wie ein Handwerker fühlen. Das aktuelle Buch ist fertig geworden und wenn ich den dicken Stapel Papier in den Händen halte, ist das schon ein erhebendes Gefühl.

Als Texter und Kopfarbeiter sieht man ja eher selten so konkret und kompakt das Produkt seines wochenlangen Werkelns.

 

Diskretion bitte!

Dass auf dem Cover des Buchs nicht mein Name steht und ich meine Mitwirkung auch nicht publik machen darf - Diskretion ist definitiv eine wichtige Vorraussetzung für einen Ghostwriter -, stört mich überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich freue mich für meine Kunden, die mit jedem Fachbuch - das ja schließlich ihr Know-how enthält – ihren Bekanntheitsgrad erhöhen.

 

Moderner Cyrano

Ich bin ihr moderner Cyrano, der ihnen ganz genau lauscht, hier und da Anmerkungen macht und Ideen einbringt, schließlich das Gehörte strukturiert zu Papier bringt und ansonsten im Hintergrund bleibt. Schön das! Ich finde es ungeheuer spannend, so immer wieder in neue Wissens- und Meinungswelten tauchen zu können.

 

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Do

02

Feb

2012

Newsletter, die zählen

Eben habe ich einen Newsletter mit dem aussagekräftigen Betreff „Newsletter 2 / Februar 2012“ erhalten. Hm. Erwartet der Absender im Ernst, wir zählen mit?

 

Interesse an Wandstickereien?

 

„Sinuskurvendiskussion“ oder „Die Bedeutung von Wandstickereien im Wandel der Geschichte “ - ich glaube ja, mit derlei Betreffs werden bessere Öffnungsraten erzielt als mit besagter Nummern-Nummer. Leider ist sie aber immer noch weit verbreitet.

 

Das Zählen des Newsletters mag ja intern eine schöne und lohnenswerte Angelegenheit sein. Für den Adressaten wirkt es schlicht einfallslos und nichtssagend.

 

Betreff: Betreff

 

Newsletter sind prima Instrumente zur Kundenbindung, Kundengewinnung und zum Aufbau einer Marke- sofern sie gelesen werden. Und darüber entscheidet zunächst vor allem der Betreff. Jeden Tag landen Dutzende Newsletter in unseren Email-Posteingängen. Kaum jemand nimmt sich die Zeit, alle zu öffnen, geschweige denn zu lesen.

 

Welchem Newsletter geben Sie wohl eher eine Chance? Dem, der Ihnen einen Nutzen, einen Mehrwert verspricht. Der mit einer provozierenden These Ihr Interesse weckt. Sie zum Lachen bringt. Oder jenem, der Sie mit dem Betreff „ 2 / Februar 2012“ rat- und orientierungslos zurücklässt.

 

Schade eigentlich!

 

Zudem gilt in den meisten Fällen: Je besser, pointierter, stärker der Betreff, desto lesenswerter und kundenorientierter der Newsletter. Im obigen Fall trifft das allerdings nicht zu: Der Newsletter ist aus der Sicht des Kunden und überraschend gut formuliert, bietet eine spannende Themenauswahl und einen hohen Nutzen. Schade, dass das die allermeisten Empfänger nie erfahren werden.

 

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